Methodik
Die Airline schiebt es aufs Wetter? So prüfen wir die Beweise
Für viele Airlines ist 'leider, Wetterbedingungen' das Ende des Gesprächs. Für uns ist es der Anfang: Das Wetter an einem Flughafen wird jede halbe Stunde offiziell erfasst, und diese Aufzeichnungen lügen nicht.
6 Min. LesezeitVon der Tomo-Redaktion
Warum die Wetter-Ausrede so oft auftaucht
Bei außergewöhnlichen Umständen schuldet eine Airline keine Entschädigung, und das Wetter ist die meistgenutzte Variante: Es klingt glaubwürdig, wirkt nicht nachprüfbar, und am Gate verlangt niemand Beweise. In Ablehnungsschreiben ist es eine feste Nummer.
Doch die Verordnung legt die Beweislast auf die Airline: Sie muss zeigen, dass die Annullierung oder Verspätung auf außergewöhnliche Umstände zurückging, die sich auch mit allen zumutbaren Maßnahmen nicht vermeiden ließen. Unsere Aufgabe ist, diesen Beweis ernst zu nehmen — und ihn nachzurechnen.
Was METAR ist
METAR ist das internationale Meldeformat, in dem Flughäfen ihr aktuelles Wetter festhalten: Sicht, Wind, Bewölkung, Niederschlag, Temperatur und besondere Erscheinungen wie Gewitter oder gefrierenden Regen. Piloten und Fluglotsen planen damit ihren Betrieb.
Praktisch jeder Verkehrsflughafen veröffentlicht eine solche Beobachtung, in der Regel jede halbe Stunde, in einer standardisierten Form, die weltweit gleich zu lesen ist. So lässt sich exakt rekonstruieren, wie das Wetter war, als dein Flug starten oder landen sollte.
Unsere Quellen
Wir nutzen ausschließlich öffentliche, offizielle Quellen: die METAR-Feeds von aviationweather.gov, dem Dienst der US-Behörde NOAA, und die historischen METAR-Archive des Iowa Environmental Mesonet der Iowa State University, das Beobachtungen von Flughäfen weltweit über Jahre zurück aufbewahrt.
Beide Quellen sind frei zugänglich. Jede Beobachtung, die wir zeigen, kannst du selbst nachschlagen und überprüfen — genau so, wie es sich für einen Test gehört, der etwas beweisen will.
Wie der Test funktioniert
Für jeden Anspruch ziehen wir die METAR-Beobachtungen rund um die geplante Abflugzeit am Startflughafen und rund um die geplante Ankunftszeit am Zielflughafen. Wir bewerten sie anhand von Schwellen, die den Flugbetrieb wirklich treffen: Sicht und Wolkenuntergrenze, starker Wind und Böen, Gewitter in der Umgebung, Schnee oder gefrierender Regen.
Dazu kommt der juristische Kern: Schlechtes Wetter irgendwo ist noch kein außergewöhnlicher Umstand für deinen Flug. Das Wetter muss genau diesen Flug getroffen haben, und die Folgen müssen auch mit allen zumutbaren Maßnahmen unvermeidbar gewesen sein. Flog der Rest des Flugplans an dem Tag normal, gerät die Ausrede ins Wanken.
Ein Beispiel (hypothetisch)
Angenommen, ein Abendflug wird annulliert und die Airline schreibt 'Sturm am Abflughafen'. Wir ziehen die Aufzeichnungen heran, und rund um die geplante Abflugzeit zeigen sie Sicht 9999 — also 10 Kilometer oder mehr — und Wind mit 8 Knoten, eine mäßige Brise. Am Zielflughafen: dasselbe Bild.
Dieses Beispiel ist ausdrücklich hypothetisch, aber das Muster ist genau das, was der Test einfangen soll: eine Wetter-Ausrede, die nicht zu dem passt, was die offiziellen Beobachtungen zeigen. In so einem Fall legen wir die METAR-Zeilen neben die Ablehnung und bitten die Airline, die Ausrede zu belegen — oder zu zahlen.
Was das für deinen Anspruch bedeutet
Machst du unseren kostenlosen Check, zeigt dir das Ergebnis die METAR-Aufzeichnungen rund um deine Flugzeiten. Du musst uns nicht beim Wort nehmen: Das Wetterbild, auf das wir uns stützen, steht direkt dabei.
Stützen die Beobachtungen die Wetter-Ausrede, sagen wir das ehrlich — ein Entschädigungsanspruch ist dann meist aussichtslos, und wir verschwenden deine Zeit nicht. Dein Recht auf Betreuung und auf Umbuchung oder Erstattung bleibt übrigens auch bei echtem Unwetter bestehen.
Für Redaktionen und Forschende
Du schreibst über Annullierungen, Wetter oder Fluggastrechte? Die METAR-Tests, die wir veröffentlichen, sind zitierfähig mit dem Hinweis 'Quelle: TomoClaim' plus Link zur betreffenden Seite.
Die zugrunde liegenden Beobachtungen bleiben die der offiziellen Quellen — NOAA und Iowa Environmental Mesonet —, nenn sie also gern mit. Fragen zur Methode beantworten wir gerne.
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